Sonntag, 23. August 2009

Wenn einer eine Reise mit der Bahn tut, dann kann er was erleben!





Vierzehn Tage vor dem Reisetermin am 1.8.2009 um 10.47 Uhr kaufte ich eine Hin-und Rückfahr-Karte für zwei Personen Hamburg-Harburg-Oberstorf und zurück im Bahninformationszentrum Harburg für den 15./22.8.2009. Vorher hatte ich im Internet die Verfügbarkeit eines Dauerspezials mit halbem Normalpreis für den durchgehenden IC von Hamburg-Harburg nach Oberstorf geprüft. Ich wollte keine Verbindung mit dem ICE, da dann Umsteigen erforderlich würde, und Zeit nicht gewonnen wird. Bei zwei schweren Koffern bietet sich ein durchgehender Zug an.

Für diese Züge IC 2083 hin und IC 2084 zurück gab es ein sogenanntes Dauer-Spezial für 218 Euro bei Internetbuchung und 228 Euro bei Kauf am Schalter. Die Bahnangestellte riet mir dringend zu Reservierungen jeweils im Wagen 18 Hin zwei Fenster-Plätze, zurück zwei Gangplätze. Der Zug war auf beiden Fahrten jeweils Samstag nicht ausgelastet, eine Reservierung wäre keinesfalls nötig gewesen. Kosten 16 Euro. Gesamtpreis 244 Euro.

Am Vorabend einer Reise bringe ich gern bereits mein Gepäck zum Bahnhof und deponiere es in einem Schließfach. Das hätte diesmal schief gehen können, da die Schließfächer zwischen den Gleisen 3 und 4 gesperrt waren. Dies waren etwa 2/3 der vorhandenen Schließfächer. Auf der Brücke gab es gerade noch zwei freie große Schließfächer. Glück gehabt.

Auf der Hinfahrt waren wir zu zweit im Abteil, auf der Rückfahrt fanden wir ein freies Abteil, in dem auf der einen Seite die obere Gepäckablage fehlte. Das viele Gepäck und die vielen freien Plätze verschafften uns eine Fahrt zu zweit im Fünf-Personen-Abteil: Das war gut.

Der Wagen 18 hat ein nicht unerhebliches Manko, das auf der ersten Fahrt bei ca 30 Grad wirksam wurde, er ist nicht klimatisiert wie etwa die Großraumwagen. Einige Abteiltüren und Fenster vibrieren. Die Sitze waren ordentlich, es muss sich also nicht um ein altes Modell handeln.

Im Oberstorfer Bahninformationszentrum versuchte ich wegen der obigen Schwächen des Wagen 18 eine Umbuchung der Reservierung: die Bahnangestellte erzählte mir, sie könne die Belegung des Zuges und die Reservierungen in den einzelnen Wagen nicht auf dem Computer aufrufen, sie müsse einzelne Plätze eingeben und könne dann prüfen, ob eine Reservierung vorliege. Ich konnte das nur überrascht zur Kenntnis nehmen und verzichtete auf die „Umbuchung“, die wiederum 8 Euro gekostet hätte. Die Bahnangestellte konnte auch keine Angaben über die Belegung des Zuges machen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die Angestellte war nicht eingearbeitet oder das Computerprogramm taugt wenig.

Das Dauer-Spezial gilt nur in den gebuchten Zügen an den angegebenen Reisetagen, eine sogenannte Zugbindung. Es gibt keinen Umtausch und keine Rückerstattung. Dafür kostet es den halben „Normalpreis“, den man mit 456 Euro als Mondpreis bezeichnen darf.

Dauer-Speziale der besonderen Art für 29 bzw.49 Euro waren schon lange nicht mehr verfügbar.

Eigentlich wollte ich gern zwei Fahrräder mitnehmen, doch dies war nicht möglich, weil auf der Hinfahrt schon alles ausgebucht war. Die Überraschung im Zug: Es war die gesamte Strecke kein Fahrrad im Fahrradwagen aufgehängt(ca.20 Plätze). Reservierungskarten waren nicht angebracht.

Angeblich hatte eine Reisegruppe aus Hannover kurzfristig ihre Reservierung abgesagt. Dies muss an den geringen Kosten für Reservierungen von Fahrrädern liegen, möglicherweise auch an großzügigen Umbuchungsmöglichkeiten für Gruppenreisende. Die Bahn sieht die Fahrradplätze auch nur als Pflichtleistung und nicht als gern erbrachten Service.

Die Fahrt im IC ist natürlich weniger komfortabel ( Lautstärke und Erschütterungen) und mit dem ICE nicht vergleichbar. Sie müsste entsprechend preislich günstiger sein.

Auf der Hinfahrt fehlte das eigentlich vorgesehene Bistro, angeblich wegen der Einrichtung neuer Kassen, auf der Rückfahrt war es erst ab Augsburg vorhanden, da es mit dem Berchtesgadener Zugteil mitgeführt wurde.

Ab Kassel-Wilhelmshöhe betrug auf der Hinfahrt die Verspätung 15 Minuten, ab Fulda 25 , ab Würzburg 30 Minuten wegen angeblicher technischer Überprüfung an einem Wagen. Bis Kempten wird die Verspätung wieder aufgeholt.

Auf der Hinfahrt gab es in Augsburg keine Angaben über Lautsprecher oder Anzeigetafel, wann der Zug weiterfahren würde. Normalerweise wird 20 Minuten rangiert. Bei Verspätungen wird die Rangierzeit verkürzt.

Der Wunsch meiner Frau nach einem Eis hätte mich fast von ihr getrennt. Ich fragte einen Zugbegleiter, wann der Zug weiterfahren würde. Er sagte: in 10 Minuten. Ich ging los, war schon an der Treppe, über die ich den Bahnsteig verlassen wollte, da fiel mir der Bahnsteigbeamte auf, der sich –so seine Körpersprache- auf ein Signal an den Zugführer, möglicherweise die Freigabe des Zuges zur Abfahrt vorbereitete. Im Moment traf ich die richtige Entscheidung den Mann zu fragen, wann der Zug abfährt. Er sagte: Sofort. Ich ging zum nächsten Wagen und der Zug fuhr kurz nach seinem Betreten ab. Eine wenig schöne Kommunikationspanne zwischen Bahnbeamten.

Auf der Rückfahrt hatten wir von Oberstorf an eine Verspätung von 15 Minuten, angeblich wegen einspuriger Streckennutzung zwischen Sonthofen und Fischen. Sie wäre um mindestens weitere 30 Minuten angewachsen, wenn der Zug eine Fahrradreisegruppe aus Österreich abgewartet hätte. Glücklicherweise zog jemand in diesem verspäteten Zug auch noch die Notbremse, was die Zugführung des IC 2084 veranlasste, auf der Weiterfahrt zu bestehen.


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Ergebnisse:

Dauer-Speziale für 29 bzw. 49 Euro bekommt man kaum.

Um den halben Normalpreis zu zahlen, muss man schon vorbuchen(hier vierzehn Tage) und eine Zugbindung in Kauf nehmen. Eine Reduzierung um weitere 25 Prozent erfordert eine Monatelange Vorausbuchung und Kompromisse bei den Reiseterminen.

Verspätungen bei ICs scheinen häufig zu sein und werden auf längeren Strecken ausgeglichen. ICs sind nachrangig gegenüber ICEs.

ICs sind nicht sonderlich komfortabel und z.T. Auslaufmodelle.

Bei Fahrradreservierungen gibt es Pannen wie beschrieben. Fahrradreservierungen klappen nur langfristig und treffen auf begrenzte Kapazitäten.

Kommunikationspannen zwischen Zugbegleitung und Bahnsteigsbeamten können fatale Folgen haben(Augsburg)

Reservierungen werden auch angeraten für Züge, die nicht ausgelastet sind.

Das Tarifsystem der Bahn einschließlich der Bahncards ist dringend zu überprüfen. Der Normalpreis ist eher ein Mondpreis, den keiner bezahlen will. Ob Mehdorn oder Grube, das Tarifsystem bleibt eine Schwäche der Bahn.

Angekündigte Leistungen wie das Bistro fallen auch mal aus.

Es gibt in ICs nicht –klimatisierte Wagen auch im Hochsommer.

Das Personal war durchweg freundlich .