Mittwoch, 23. Februar 2011

Kritik an Schwächen Österreichs-wenig Schonung für den ansonsten sympathischen Nachbarn



Viele Deutsche machen jedes Jahr Urlaub in Österreich. Da scheint es gut an den Beziehungen der Länder zu arbeiten und sich nicht darauf zu verlassen, dass dies alles so bleibt.
Immer wenn ich im Ausland Urlaub mache, lese ich die Zeitungen des Landes. Das fällt naturgemäß in Österreich besonders leicht. Wenn ich aber in Tirol die Tiroler Tageszeitung aufschlage, finde ich mindestens jeden zweiten Tag Kritik an Deutschland oder den Deutschen. Das mag in Bayern möglicherweise umgekehrt nicht anders sein. Doch ich glaube aus Erfahrung, viele Österreicher und ihre Institutionen suchen ihre österreichische Identität zu stärken, auch indem sie sich am großen Nachbarn gleicher Sprache reiben. Verständlich wäre es auch, wenn man ein Ventil braucht, um Massen deutscher Urlauber zu nahezu jeder Jahreszeit in den Wintersportorten, dem Salzburger Land oder an den Kärtner Seen zu ertragen.
Wie ist aber die Bilanz österreichisch-deutscher Beziehungen, wie stellen sie sich dem deutschen Urlauber dar?
Zuerst ist da die Straßenmaut, die nach ihrem Tarifsystem auf Urlauber und damit vorrangig auf Deutsche zielt. Man will abkassieren, wofür auch die überaus penible Kontrolle spricht.
Wenn man in Tirol Urlaub macht, sagen wir in Seefeld oder Leutasch, fällt auf, dass die von vielen deutschen Autofahrern geschätzte Differenz bei den Benzinpreisen zur Hälfte von den örtlichen Tankstellen abgeschöpft wird. Erst in Innsbruck kann man sicher sein, zu österreichischen Preisen zu tanken.
Österreich wendet seine Gesetze auch auf Ausländer an. Das könnte man normal nennen. Wie ist es aber mit dem sensiblen Thema Organentnahme. Man kann sehr für Organspenden eintreten, muss ein Land jedoch die Möglichkeit auf der Grundlage seines Krankenanstaltengesetzes von 1982, Organe und Gewebe nach dem Tod zu entnehmen, auch bei ausländischen Touristen einfordern? Dem kann man nur vorbeugen, wenn man sich in einem Widerspruchsregister beim ÖBIG eintragen lässt und diesen Hinweis immer bei sich trägt. Eine unzumutbare Regelung.
Wie steht es zudem mit der österreichischen Justiz. Kann man sich auf österreichische Gerichte verlassen, wenn man als Urlauber auf die Rechtssprechung angewiesen ist. Hier bestehen erhebliche Zweifel, insbesondere nach der schweren Brandkatastrophe am 11.11.2000 in der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn bei Kaprun mit 155 Toten und ihrer Aufarbeitung vor österreichischen Gerichten.Der Spiegel hat hier detailliert mit Hilfe deutscher TÜV-Spezialisten nachgewiesen, dass die österreichische Justiz in diesem Fall parteilich zugunsten Österreichischer Beteiligter geurteilt hat, und dies in skandalöser Weise, einige sprechen gar von Korruption. Nach allem was man weiß nicht der einzige Fall.
Dagegen ist es eine Kleinigkeit, wenn in der Tiroler Tageszeitung diskutiert wird, ob man nicht in bestimmten Fällen ein doppeltes Preissystem für Einheimische und Touristen einführen könnte.
Zu vernachlässigen wäre auch eine gewisse Bereitschaft, Kritikwürdiges in Deutschland und an Deutschen medial aufzuspießen. Aber da kann man sich leicht täuschen.
Schlimmer ist da schon für sensible deutsche Fussballfans, dass die deutsche Nationalmannschaft in österreichischen Stadien regelmäßig ausgepfiffen wird. Da gibt es nicht nur bei der letzten Europameisterschaft schlechte Erinnerungen.
Nun tun die Ösis auch etwas für die Piffkes: Sie lassen z.B. ostdeutsche Arbeitssuchende im österreichischen Tourismus arbeiten. Deutsche Studenten dürfen an österreichischen Hochschulen studieren. Allerdings wird immer gleich überlegt, mit welchen Verfahren und Tricks man den Zustrom trotz EU-Bestimmungen eindämmen kann.
Außerdem wird inzwischen auch in Österreich für den Besuch deutscher Hochschulen geworben, so etwa im Bezirk Reutte, wo österreichische Stellen für den Besuch der Kemptener Fachhochschule werben. Zwischen Reutte und Kempten gibt es eine Bahnverbindung mit vertretbarem Takt.
Wie ist das eigentlich mit der Förderung der Steuerhinterziehung? Hier taucht Österreich bei den Diskussionen regelmäßig ab und läßt die Schweiz im Regen stehen. Oder ist die österreichische Weste in diesem Fall sauber? Zwar warben grenznahe österreichische Institute, sagen wir in Jungholz, bis vor kurzem noch um deutsches Geld auch mit Hinweisen auf das Bankgeheimnis. Ist da was dran?
Nur historisch interessierte Touristen könnten sich darüber ärgern, dass Österreich seinen zugegebenermaßen kleineren Anteil an der Nazivergangenheit eher ausblendet und verleugnet, oder ist das nicht mehr der Fall ? Als kleines Beispiel sei der eher unauffällige Gedenkstein vor dem Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau am Inn erwähnt.
Viele Deutsche kritisieren auch die rechten und populistischen Parteien in Österreich, strenge Asylvorschriften usw.
Dies ist nur eine kurze Bilanz, die Österreichs Tourismus wohl auch zukünftig aushalten wird.